Ökologie

40ha groß, 2300m lang und knapp 2m tief ist Münsters Aasee. Aus dem Freizeitleben der Stadt ist er nicht mehr wegzudenken. Mit seinen angrenzenden Flächen bildet er mit ca. 90ha das größte Naherholungsgebiet Münsters und beweist nicht nur an Wochenenden seine hohe Anziehungskraft für Einheimische und Gäste. Doch nur ein weitgehend intaktes „Ökosystem Aasee“ ermöglicht sämtliche Sport-, Freizeit- und Erholungsaktivitäten.

Die bisherigen Bäume des Jahres sowie der Ginkgo als Baum des Jahrtausends sind auf der Sentruper Höhe zu besichtigen. Sie sind am „Weg der Jahresbäume“ gepflanzt, zwischen dem Mühlenhof und dem Westfälischen Museum für Naturkunde. Immer am 25. April, also ab dem Tag des Baumes, führt der neue Baum des Jahres die Reihe der Jahresbäume weiter. Diese Reihe ist schon recht stattlich.

Vorhanden sind bereits (Jahr, Art):
1989 Eiche, 1990 Buche, 1991 Linde, 1992 Ulme, 1993 Speierling, 1994 Eibe, 1995 Spitzahorn, 1996 Hainbuche, 1997 Eberesche, 1998 Wildbirne, 1999 Silberweide, 2000 Sandbirke, 2001 Esche, 2002 Wacholder, 2003 Schwarz-Erle, 2004 Weiß-Tanne, 2005 Rosskastanie, 2006 Schwarz-Pappel, 2007 Wald-Kiefer, 2008 Walnuss, 2009 Bergahorn, 2010 Vogelkirsche, 2011 Elsbeere, 2012 Europäische Lärche, 2013 Wild-Apfel, 2014 Trauben-Eiche, 2015 Feld-Ahorn, 2016 Winterlinde

Neben dem Hochwasserschutz übernimmt der Aasee heute auch wichtige wasserwirtschaftliche und ökologische Funktionen wie beispielsweise Wasserspeicherung und -rückhaltung, Regulierung der Münsterschen Aa in der Innenstadt oder als Frischluftkorridor. Als komplexes Ökosystem bietet er außerdem Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. In Stadtnähe kann der Aasee intensiver genutzt werden als stadtauswärts. Der renaturierte Bereich westlich der Brücke Modersohnweg soll dagegen Pflanzen und Tieren vorbehalten bleiben.

Die Wasserqualität wird vor allem in den Sommermonaten durch die Einleitungen aus dem landwirtschaftlich geprägten Einzugsgebiet und aus der einmündenden Regenwasserkanalisation negativ beeinträchtigt. Hinzu kommt eine geringe Wassertiefe und viele Nährstoffe, die für ein verstärktes Algenwachstum sorgen. In der Folge können sich, wie mittlerweile in vielen Seen Deutschlands, die Cyanobakterien (besser bekannt als Blaualgen) mit ihren toxischen Stoffen flächendeckend ausbreiten.

Um diese Probleme zu verringern, hat die Stadt Münster einiges getan:

  • Die Aa wurde oberhalb des Aasees bis Haus Kump 1994–1996 naturnah umgestaltet (Renaturierung).
  • Die städtische Kläranlage Roxel wurde stillgelegt; alle privaten Kleinkläranlagen im Einzugsgebiet des Aasees saniert. So gelangt heute deutlich weniger belastetes Wasser in den See.
  • Neue Flachwasserzonen am Ufer haben die Entwicklung von ausgedehnten Röhrichtzonen ermöglicht.
    Zusammen mit dem Tiefbauamt und unter wissenschaftlicher Begleitung durch Prof. Dr. B. Surholt, Dipl.-Ökologe A. Schülting und Prof. Dr. W. Mathys (Institut für Hygiene der Uniklinik Münster) sind im Sommer 2005 erstmalig Freilandversuche zur Phosphatfällung in Aasee und Aa durchgeführt worden. Die Versuche waren erfolgversprechend, dass seitdem in den Sommermonaten Eisen-III-Chlorid als Fällungsmittel in den Zufluss der Münsterschen Aa eingemischt wird. Mit dem Erfolg, den Aasee weitgehend frei von Cyanobakterien und Toxinen zu halten.http://www.stadt-muenster.de/umwelt/wasser/gewaesseroekologie/aasee.html

Im oberen Teil des Sees dominieren mosaikartig verzahnte Vegetationskomplexe von Großröhrichten. Dort wächst auch die Schwanenblume, die in der „Roten Liste der in Nordrhein-Westfalen gefährdeten Pflanzen und Tiere“ aufgeführt ist. Im Vergleich dazu sind die Uferbereiche des alten Aasees nicht so vielfältig. Die Ufervegetation des alten Aasees ist nur recht spärlich ausgebildet. Mit etwas Glück findet man zwischen Röhricht die gelb blühende Sumpfschwertlilie.
Die Park- und Grünflächen um den Aasee bestehen vornehmlich aus Rasenflächen, die nur dort häufiger gemäht werden, wo eine intensive Nutzung stattfindet. Hohe, artenreiche Hecken und teilweise alte, markante Einzelbäume und Baumgruppen gliedern die Parkanlage.

Bis auf Möwen und Enten halten sich auf dem alten Aasee nur wenige Wasservögel auf, da hier nicht nur die Wasserpflanzen als Nahrungsgrundlage, sondern auch die Röhrichtzonen weitgehend fehlen. Außerdem halten sich die Vögel fern von den stark frequentierten Uferwegen. Daher halten sich die Wasservögel nur an wenigen Stellen meist am neuen Aasee auf (Bereich Zookanal und nordwestlichen Ufer davor), während die Großzahl die ruhigen Zonen im renaturierten Bereich bis Haus Kump bevorzugt. Dort wird das Spektrum noch um einige Arten ergänzt: Graureiher und Kormoran, Eisvogel, Zwergtaucher, Austernfischer, Flussuferläufer, Flussregenpfeifer, Sumpfrohrsänger, Reiherente und Rostgans.

Im Aasee gibt es insgesamt 12 Fischarten. Stark dominierend sind Brachsen, Güster und Zander. Häufiger kommen noch Aal und Plötze vor, während die übrigen Arten Barsch, Giebel, Hecht, Karpfen, Rotfeder, Schleie und Ukelei nur untergeordnet festgestellt wurden. Heimische Kleinfischarten wie Gründling, Bitterling oder Bachschmerle fehlen gänzlich. Die Fische halten sich vor allem im neuen Aasee auf. Hier sind in einigen Abschnitten Röhrichtzonen mit entsprechenden Unterstandmöglichkeiten für Fische vorhanden. Diese sind im alten Aasee weitaus weniger zu finden. Außerdem fehlen Unterwasserpflanzen, die ein wesentliches Laichsubstrat für zahlreiche Fischarten darstellen. Der Hauptgrund hierfür ist wohl die sehr geringe Sichttiefe im Aasee.